Quellen der Macht

Teil 01 - Grundlagen

Mit unserer neuen Gastkolumne leisten wir unseren Beitrag zur Grundlagenbildung von Strategieentwicklung und dem Basisverständnis von politischen Machtstrukturen. Unser Autor leitet seine Serie mit einer Übersicht der verschiedenen Quellen der Macht ein. 

Oft wird im rechten Lager über Personalien, die Tagespolitik und den richtigen Wahlkampf diskutiert. Kurz: Es geht um strategische und taktische Fragen mit kurzen Zeithorizonten.  

Dabei kommt der entscheidende Punkt oft zu kurz: Warum genau hat eigentlich die Gegenseite die Macht, während das eigene Lager von einer zunehmenden Ohnmacht befallen ist? Mit welcher langfristigen Leitstrategie schaffen wir es reale Macht- und Gestaltungsoptionen zu eröffnen?

Von der präzisen Beantwortung dieser Fragen und vor allem einer langfristigen Planungsperspektive hängen maßgeblich unser Erfolg und damit auch die Zukunft dieses Landes ab. Grund genug uns diesen Fragen in einer eigene Artikel Serie zu widmen und einen Debattenbeitrag zu leisten, wie eine optimale rechte langfristige Leitstrategie aussehen könnte. Bei der Entwicklung eines Leistrategie-Entwurfes greifen wir in dieser Artikelserie auf führende Köpfe der Politologie, die Sozialpsychologie, eignen Umfragen und die Techniken der Nonviolent Action  zurück – ein Standard-Werkzeug zum Planen erfolgreicher Kampagnen, das in den letzten Jahrzehnten weltweit erfolgreich eingesetzt wurde.

Ziel des ersten Teils dieser Serie: Die Machtstruktur der BRD verstehen

Die Grundlage einer effektiven rechten Leistrategie ist ein umfassendes Verständnis für die Macht der Gegenseite. Oft werden diese Grundlagen übersprungen, was meist fatale Folgen hat. Denn sind unsere Grundannahmen über die Macht des Gegners fehlerhaft, ist es laut dem Begründer der modernen Nonviolent Action Theorie Gene Sharp unwahrscheinlich, dass wir effektiv bzw. erfolgreich sind.1
Deshalb befassen sich die ersten Kapitel klassischer Kampagnen-Literatur wie „The Politics of Nonviolent Action“ oder das Core Curriculum des Center for Nonviolent Actions and Strategies anfangs sehr detailliert mit diesem Thema.2

Um einen Verständniszugang zur Macht der Gegenseite zu erlangen, betrachten wir kurz welche verschiedenen Arten von Macht es überhaupt gibt. Nach Gene Sharp, dem Mitbegründer der modernen Nonviolent Action Theorie ruht die Macht in einer Gesellschaft auf sechs Arten, bzw. Quellen, der Macht:
Materielle Ressourcen, Wissen, Sanktionen, personelle Ressourcen, kulturelle Faktoren und (gefühlte) Legitimität. Wer die meisten dieser Quellen auf sich vereinigt, hat die Macht in einer Gesellschaft. In den ersten Artikeln dieser Serie werden wir daher analysieren, wie der Gegner diese verschiedenen Quellen der Macht kontrolliert. Nach Abschluss dieser Analyse haben wir ein gutes Bild von der Macht der Gegenseite, um darauf aufbauend eine effektive Leitstrategie zu entwerfen. Im ersten Artikel geht es daher um einen ersten allgemeinen Überblick zu den Quellen der Macht.

Die erste Quelle der Macht: Materielle Ressourcen und die wirtschaftliche Elite

Eine entscheidende Quelle der Macht in unserer Gesellschaft stellt der Zugriff auf materielle Ressourcen dar. Hierbei gibt es drei verschiede Messarten der materiellen Macht: Vermögen, Einkommen oder auch die Kontrolle über Unternehmen, bei denen die heute weltweit größten Wirtschaftsbranchen nahezu ausnahmslos aus dem Bereich der Informationstechnologie stammen und damit auch eine entsprechende Kontrollfunktion über Informationsverbreitung und Einschränkung darstellen können. Die vier am höchsten bewerteten Unternehmen stammen ausnahmslos aus dem Informations- und Datenverarbeitungssektor „GAFA“ (Google, Amazon, Facebook, Apple) und können somit in einer zunehmend digitalisierten Welt auch unsere Konsumgewohnheiten oder Informationswahrnehmungen selektieren, begrenzen und blockieren.

Das oberste 1% der Bevölkerung in Deutschland besitzt laut ver.di Public ca. 2000 Milliarden Euro.3 Damit gehört den oberen 1% der Bevölkerung laut Credit Suisse Research Institute ca. 30% des gesamten Wohlstands in Deutschland.4
Das gesamte Einkommen der obersten 1% der Bevölkerung beläuft sich laut einer Studie des International Monetary Fund auf ca. 13%5 der Wirtschaftsleistung. Dies sind ca. 439 Milliarden Euro.6

Wie sieht die ökonomische Machtkonzentration bei den Unternehmen aus? Hier stechen Familienunternehmen hervor. Als Familienunternehmen gilt ein Unternehmen, wenn es von einer Familie oder einem kleinen Personenkreis kontrolliert wird. Die 500 größten deutschen Familienunternehmen erwirtschaften laut der Stiftung Familienunternehmen in Deutschland einen jährlichen weltweiten Umsatz von 1100 Milliarden Euro7 – das ist 34,4% des gesamten Bruttonationaleinkommens von Deutschland!8
Dieser Betrag gleicht einem Stapel aus 1 Euro Münzen von der Erde bis zum Mond und das gleich drei Mal hin und zurück!9 Die AfD Bundestagsfraktion erhält im Vergleich ca. 40 Millionen Euro jährlich. Damit sitzt die ökonomische Elite am ca. 27500-fach längeren Hebel!

Diese Tatsache soll keine soziale Neiddebatte ventilieren, sondern vielmehr aufzeigen, dass ökonomische Asymmetrien sich in den Machtkonfigurationen selbstverständlich schon strukturlogisch fortsetzen. Nur mit dieser Quelle der Macht kann sich Zugriff auf andere Quellen der Macht gekauft werden (Wissen, Sanktionen, personelle Ressourcen, kulturelle Faktoren, gefühlte Legitimität), um seine Macht weiter zu optimieren und zu stabilisieren.10

Diese einzigartige, dem Geld inne liegende Eigenschaft, andere Quellen der Macht zu kaufen, wird selbstredend auch genutzt, um ökonomische Macht in politische Macht zu transformieren. Diesen Prozess werden wir in den nächsten Artikeln dieser Serie genauer beleuchten, weil er entscheidend für das Verständnis der Machtstruktur unserer Gesellschaft ist.

Die hohe Konzentration von Vermögen auf 500 Familien, zusammen mit der Möglichkeit Vermögen in politische Macht umzumünzen bedeuten eine absolut herausragende Stellung der ökonomischen Elite bezüglich der Macht in unserer Gesellschaft. Auch Medienunternehmen wie der Springer Konzern werden laut eines Artikels der Augsburger Allgemeinen Zeitung von einer geringen Personenanzahl kontrolliert und kann zu den Familienunternehmen gezählt werden: So halten alleine Friede Springer und Mathias Döpfner dem Artikel zur Folge 44,4% der Anteile. Weitere 7% werden laut Wikipedia von Axel Sven Springer, Ariane Melanie Springer und der Friede Springer Stiftung gehalten, sodass insgesamt mehr als 50% des Unternehmens von einer sehr kleinen Personenanzahl kontrolliert werden kann. Bekannte Zeitungen des Unternehmens sind u.a. die Bild und die Welt.

Ein weiteres ähnliches Beispiel für ein Familienunternehmen ist die Bertelsmann SE & Co. KGaA. Die Stimmrechte (Kontrolle) übt die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft aus, deren Gesellschafter drei Mitgliedern der Familie Mohn und drei firmenfremde Personen sind.9 Bekannte Medienmarke des Konzerns ist u.a. die RTL Group, deren Tochtergesellschaft Gruner + Jahr einen 25,25% Anteil an der Spiegel hält. Auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrink gehört laut der Webseite „Die Deutsche Wirtschaft“ der Familie von Holtzbrink.10 Bekannte Zeitungen im Bezug zur Familie Holzbrink sind u.a. Der Tagesspiegel, Handelsblatt und die Zeit.11

Auch „Die Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft befindet sich in Familienbesitz“12

und wird damit von einem kleinen Personenkreis kontrolliert. Bekannte Zeitungen sind u.a. der Focus, die Bunte oder Chip.13

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein großer Teil der materiellen Ressourcen in Deutschland von einem kleinen Personenkreis kontrolliert wird, was insbesondere auch auf Medienunternehmen zutrifft. Laut Noam Chomsky14 in „Manufacturing Consent“ sind diese Medienunternehmen über verschiedene Faktoren mit dem Rest der Wirtschaft verflochten. Der erste Faktor: Man kennt sich – entweder geschäftlich, z.B. durch Tätigkeit im Aufsichtsrat oder Vorstand15, branchenüblichen Treffen, Business Deals oder privat. Selbst wenn jeder nur 22 andere Bekannte aus ähnlich gutbetuchten Verhältnissen16 hat, kennt jeder einen signifikanten Teil (22*22 = 484 Personen) der „oberen zehntausend“ über eine Ecke und jeden der „oberen zehntausend“ über zwei Ecken (22*22*22=10648).

Eine zusätzliche Verflechtung der Medienunternehmen zum Rest der Wirtschaft besteht laut Noam Chomsky17 über die Werbung. Medienunternehmen sind auf Werbeeinahmen angewiesen, um konkurrenzfähig und profitabel zu bleiben. Allzu gesellschaftskritische Nachrichten, die innerhalb der Wirtschaft nicht gerne gesehen sind, wären diesem Ziel der Profitabilität naturgemäß abträglich. So kann sich z.B. kaum ein rechter Youtube Channel über Werbung finanzieren, da sie entmonetarisiert werden. Damit bleiben unsere Formate ohne diese Finanzierungsgrundlage ein Verlustgeschäft und in der Minderheit gegenüber der Vielzahl an werbefinanzierten Medienangeboten, die die „richtigen“ Nachrichten aus Sicht der Wirtschaft bringen. Daraus entsteht eine selbstreferentielle Konsenskultur, wodurch das Medienspektrum keine zentralen Vorgaben durch Personen braucht, sondern die vermeintliche Meinungspluralität von vornherein durch ökonomische Zwänge limitiert wird.

Die Medien stellen also ein vernetzendes „Bindeglied“ zwischen der Wirtschaft und der breiten Bevölkerung dar: Zum einen sind sie über die verschiedenen besprochenen Faktoren mit dem Rest der Wirtschaft eng verflochten. Zum anderen konsumieren die Deutschen laut dem Verband privater Medien über 10h am Tag Medien. Damit üben Medien(unternehmen) naturgemäß einen großen Einfluss auf uns aus, alleine weil wir uns mit ihnen über die Hälfte unseres wachen Tages (16h) beschäftigen. Wie kann dieses „einflussreiche Bindeglied“ nun genutzt werden, um ökonomische Macht in politische Macht zu transferieren? Davon handelt der nächste Abschnitt:

Die zweite Quelle der Macht: Fertigkeiten und Wissen

„Wissen ist Macht“ ist ein landläufig verbreitetes Sprichwort. Und es stimmt, denn laut Gene Sharp ist für die effektive Machtausübung der ausreichende Zugang zu (Experten)wissen nötig. Im Folgenden greifen wir drei potentiell besonders einflussreiche Wissensgebiete auf: den Lobbyismus, die PR, die Kommunikationspsychologie und die Fähigkeit nachrichtenwürdige Medienbeiträge zu „kreieren“.

1) Fertigkeiten und Wissen zur Beeinflussung der Gesetzgebung – Lobbyismus
Laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg werden im Lobbyismus Politikern das Fach- und Expertenwissen zu bestimmten Bereichen angeboten, um einen Einfluss auf Debatten und Gesetzgebung aufzubauen. Insgesamt gibt es laut der Landeszentrale knapp 5000 Einträge im Lobbyregister, in dem Lobbygruppen und Verbände in Deutschland registriert sind.

In der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) 47 Bundesfachspitzenverbände mit insgesamt rund 1 Millionen Unternehmen und 30,5 Millionen Beschäftigten angeschlossen.1 Das insgesamt im Lobbyregister gemeldete Budget für Lobbyismus liegt bei über 550 Millionen Euro.2 Darüber hinaus wird in der gesamten Branche der Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände im Jahr 2025 1470 Millionen Euro an Umsatz erwartet.

2) Fertigkeit und Wissen zur Beeinflussung der Berichterstattung – Public Relations
Nicht nur der Lobbyismus zählt zu den Aufgaben der Unternehmerverbände, sondern laut Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der PR-Markt in Deutschland beträgt einer Schätzung zur Folge ca. 5 Milliarden Euro und beschäftigt ca. 50000 Menschen.3 Demgegenüber stehen laut mdr zwischen 41000 und 72000 Journalisten. Auf jeden Journalisten kommt also grob ein PR-Berater. Dadurch können Botschaften nicht nur als neutrale Informationen gestreut und ventiliert werden, sondern werden zugleich in einen konkreten Framing-Kontext eingebunden, der den herrschenden ideologischen Narrativen entspricht.

Ein weiterer Baustein ist hierbei Wissen im Bereich Kommunikations- und Sozialpsychologie, den Kommunikationswissenschaften, der Sozialwissenschaften und der Medienwirkungsforschung. Seit Anfang der 1930er Jahre wird diese Forschung an vielen Universitäten weltweit ausgeführt und beständig verfeinert.4 Die moderne Informationsökonomie ist dadurch nicht mehr einfach nur ein neutraler Apparat der nach „Information“ und „Nicht-Information“ codiert ist, sondern zusätzlich von vielen weiteren Einflüssen des Agenda-Settings, Primings, Framings und vielen weiteren geprägt ist. Es kommt also nicht nur auf die reine Information an, sondern auch auf ihre vielfältigen Wechselwirkungskräfte wie dem Hintergrund des Senders, Motive, Bewertung, Medium und Stil. Somit kann über PR die bereits angesprochene Funktion der Medien als „einflussreiches Bindeglied“ zum Transfer von ökonomischer in politische Macht weiter ausgebaut werden.

3) Fertigkeit und Wissen zum Kreieren von nachrichtenwürdigen Medienbeiträgen – Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen
In Deutschland gibt es ca. 23000 Stiftungen. Das gesamte Stiftungskapital in Deutschland beläuft sich auf ca. 110 Milliarden Euro. Laut Noam Chomsky‘s Buch Manufacturing Consent bieten Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen den Medien einen Vorteil, weil sie ihnen offizielle, bzw. vertrauenswürdige Studien und „Expertenbeiträge“ für Medienbeiträge kostenlos anbieten.6

Das Investment eines nur kleinen Teils des Umsatzes, der im ersten Abschnitt genannten Unternehmen reicht aus, um über Lobbygruppen, PR Agenturen und „Expertenbeiträgen“ von NGOs einen großen Einfluss auf die Medien als „einflussreiches Bindeglied“ zwischen Wirtschaft und Bevölkerung auszuüben und die Gesetzgebung zu beeinflussen. Die bereits aus dem vorherigen Abschnitt bekannten Verflechtungsmechanismen zwischen Medien und Wirtschaft verstärken sich noch weiter und beziehen nun auch die Bevölkerung mit ein.

Ein Transfer von ökonomischer in politische Macht über die Medien als Bindeglied und das Parlament wird so ermöglicht. Durch diesen Transfer-Mechanismus verbinden sich die beiden Quellen der Macht (Wissen und materielle Ressourcen): Sie kreisen umeinander, sie verdichten sich mit der Zeit weiter zu einem medialen Narrativ, dass den herrschenden Quellen der Macht einen entscheidenden Vorteil verschafft: Das Gefühl von legitimer Herrschaft seitens der machtunterworfenen Bevölkerung.

Die dritte Quelle der Macht: Legitimität
Legitimität als Quelle der Macht bedeutet laut Gene Sharp das Gefühl der Machtunterworfenen, dass die Herrschenden auf legetimen Wege zur Macht gelangt sind und es moralisch richtig ist, sie zu unterstützen. Konstitutiv für diese „gefühlte Legitimität“ innerhalb der Bevölkerung sind vor allem zwei Faktoren: Die grundlegende gefühlte Legitimität wird durch Wahlen hergestellt. Verstärkt wird diese gefühlte Legitimität in der Bundesrepublik durch das Narrativ des „Kampfes der Demokratie gegen rechts“. Die sogenannte „Wehrhafte Demokratie“.

Grundlegende gefühlte Legitimation durch freie Wahlen
Nur in einer kleinen Handvoll Länder findet weltweit kein formaler Wahlvorgang statt.1 Der Vorteil des Wahlvorgangs liegt auf der Hand: Dadurch, dass jeder seine Stimme abgeben kann, wird die „gefühlte“ Legitimität der Regierung enorm gesteigert. Denn die Regierungskoalition setzt sich durch den Wahlprozess immer aus Parteien zusammen, die insgesamt mehr als 50% der Stimmen aus der Bevölkerung vertreten. Auch Medien werden nicht müde zu betonen, dass Deutschland eine einwandfreie Demokratie ist und erhöhen damit die gefühlte Legitimität der innerhalb dieser Demokratie herrschenden Parteien.

67% die Abschaffung der GEZ, 61% wollen keine Zuwanderung, ca. 72% sind für direkte Demokratie, doch diese Forderungen finden im etablierten Parteienspektrum nur selten eine angemessene Repräsentation. Dass dies keine Ausnahmen sind, zeigt eine Studie, über die das Online-Magazin Vox berichtete, die basierend auf der Auswertung von 1779 politischen Entscheidungen zum Schluss gekommen ist, dass der Einfluss des durchschnittlichen Bürgers auf politische Entscheidungen „non-significant“, also nicht statistisch nachweisbar (signifikant) und nahe null ist. Einige Einflussfaktoren, die dieses Ergebnis erklären können, haben wir bereits in den vorherigen Abschnitten besprochen: Die enge Verflechtung der Medienunternehmen mit der Wirtschaft, Lobbyismus, PR und Einfluss von NGOs und Stiftungen auf die Berichterstattung. Ein weiterer wichtiger Erklärungsfaktor ist der „Kampf gegen rechts“ durch den die Legitimation an den „richtigen Stellen“ hergestellt oder auch entzogen werden kann:

Zusätzliche Legitimität durch das Narrativ des „Kampfes der Demokratie gegen rechts“.
Verstärkt wird die grundlegende „gefühlte Legitimität“ innerhalb der Bevölkerung durch das Narrativ des „Kampfes der Demokratie gegen rechts“. Innerhalb dieses Framings kämpfen die Demokraten, also diejenigen, die 100% legitime Interessen verfolgen, also die Sicherung der Demokratie, der Toleranz und der Menschenwürde, gegen diejenigen, die angeblich das genaue Gegenteil dieser Ziele verfolgen, nämlich die Diktatur, die Diskriminierung und die Abschaffung der allgemeinen Menschenrechte. Und wer ständig gegen die drohende Diktatur ankämpft, muss ja automatisch selbst ein legitimer Demokrat sein.

Oder anders ausgedrückt: Nur wenn eine Partei gegen rechts, also für die „Demokratie“ kämpft, kann sie wirklich legitim sein und wenn eine Partei „rechts“ ist, kann sie nicht legitim sein. Der Trick ist also eine teilweise Umdefinierung der Bedeutung von Demokratie: Legitimer Demokrat ist, wer gegen die Anti-Demokraten von rechts kämpft. Dabei bedient man sich gerne der theoretischen Hilfskrücke des Toleranzparadoxon nach Popper, wonach die wehrhafte Demokratie keine Toleranz für Intolerante haben dürfe. Dass die Bestimmung darüber wer zu den Toleranten und Intoleranten gehört immer schon in einen spezifischen Machtzirkel eingebettet ist, wird dabei gerne übersehen.

Die vierte Quelle der Macht: Die Macht, Legitimation über den Rechtsextremismus Vorwurf zu entziehen

Der „Kampf gegen rechts“ dient nicht nur der Aufwertung der Legitimation der herrschenden Parteien, er bewirkt natürlich ganz besonders die Zerstörung der Legitimation unliebsamer Parteien und Akteuren.

Man bemerkt, dass in diesem „Kampf gegen rechts“ die wichtigsten (politischen) Wertvorstellungen der Deutschen (Demokratie, Menschenrechte) zusammen mit der größten Urangst der Deutschen (eine Rückkehr des NS-Terrorregimes) in ein schlagkräftiges Narrativ gebündelt wurden und werden, um eine größere Zustimmung innerhalb der Bevölkerung zu erzielen. Und die Unterstützung innerhalb der Bevölkerung ist tatsächlich hoch:

So sehen 74% der Bevölkerung einer Civey Umfrage zur Folge rechtsextremen Terrorismus als ernst zu nehmende Gefahr für die Sicherheit Deutschlands. So sind einer Veröffentlichung von ver.di zur Folge 70 Prozent der Bevölkerung potentiell bereit, sich an diesem Kampf (in diesem Fall geht es um Rassismus) zu beteiligen. Und insgesamt erhielten die Parteien, die den „Kampf gegen rechts“ kämpfen (CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP) bei der letzten Bundestagswahl 81% der Stimmen.

Doch nicht nur die Bevölkerung kämpft ausdauernd. Laut Wikipedia gibt es nicht nur dutzende Bundesprogramme, Landesprogramme, Initiativen der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung sowie Parteien und Parteistiftungen, die sich dem Kampf gegen rechts verschrieben haben. Es gibt auch mindestens 75 Wissenschaftler und allein durch die Antifa hunderte lokale Initiativen, die alle gemeinsam gegen rechts kämpfen.

Gegen den Extremismus, egal ob von rechts oder Links und für die Demokratie theoretisch alle, eingeschlossen. Der Kampf gegen Extremismus ist also nicht das Problem. Das Problem ist, wer denn eigentlich entscheiden darf, wer als Extremist und wer als Demokrat zu gelten hat. Diese Deutungshoheit fällt im Wesentlichen den Medien zu, was bezüglich der vorherigen Abschnitte wenig überraschen dürfte.

Laut Noam Chomsky1 stellt die mediale Rahmenerzählung des gemeinsamen Kampfes gegen das Böse, wie z.B. der Kampf gegen rechts, immer ein geeignetes Narratives bereit, um Forderungen aus der Bevölkerung, die Gewinne oder Vermögen oder sonstige Interessen von Interessengruppen bedrohen könnten, auf Ablenkziele zu richten:

So wird die Urforderung der echten Linken nach einer Vermögensumverteilung mit der Ersatzdebatte um Identitätspolitik, also dem Kampf für Toleranz, abgespeist, bzw. abgelenkt.
So wird die Forderung nach Abrüstung und Frieden in der Welt ersetzt durch das „Engagement“ für Menschenrechte und Demokratie in Afghanistan, Irak, etc. verschleiert.  

So wird die Forderung der Konservativen nach einem Stopp von Zuwanderung über den Rechtsextremismus Vorwurf an öffentliche Vertreter dieser Forderung abgelenkt auf den gemeinsamen Kampf der Demokraten gegen ihre Bedrohung durch den Rechtsextremismus. Diese Ablenkungstaktik ist äußerst erfolgreich:

85% der Menschen in Deutschland denken laut Statista, die AfD (als einwanderungskritische Partei) sei rechtsextrem. Selbst wenn die verbleibenden 15% allesamt Einwanderungskritiker sind, bedeutet dies, dass von den 60% Einwanderungskritiker in Deutschland 45% (also fast die Hälfte der Bevölkerung!) erfolgreich davon abgelenkt wurden, die AfD als einzige einwanderungskritische Option in Betracht zu ziehen und nun brav eine der einwanderungsbefürwortenden Parteien wählen. Solange mehr als 50% der Menschen die AfD als Rechtsextrem einstufen, wird eine Regierungsoption der AfD quasi unmöglich gemacht, weil die Wähler der anderen Parteien der Koalition eine solche Konstellation niemals mittragen würden.

Zudem fühlen laut Statista sogar 65% der Bevölkerung eine Bedrohung der Demokratie durch die AfD, was die Deutungshoheit der Medien im „Kampf der Demokraten gegen rechts“ unterstreicht.

Nachweise: Die erste Quelle der Macht: Materielle Ressourcen


  1. “An erroneous or inadequate view of the nature of political power is unlikely to produce satisfactory and  effective action for dealing with it.”
    Sharp, Gene. The Politics of Nonviolent Action (S.32). Albert Einstein Institution. Kindle-Version. 
  2. Siehe Kapitel “Power in Society: Models and Sources of Power” “Pillars of Support” und “Obedience” im Core Curriculum sowie Chapter One – The Nature and Control of Political Power aus The Politics of Nonviolent Action.
  3. Unterschätzter Reichtum. In ver.di Publik 8/2021, Sonderbeilage S. 3 – zitiert aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#cite_note-50
  1. Anthony Shorrocks, Jim Davies, Rodrigo Lluberas: Global wealth report 2019. In: Credit Suisse Research Institute (Hrsg.): Global wealth reports. Oktober 2019, S. 48 (englisch, credit-suisse.com[PDF] „Wealth inequality is higher in Germany than in other major West European nations… We estimate the share of the top 1% of adults in total wealth to be 30%, which is also high compared with Italy and France, where it is 22% in both cases. As a further comparison, the United Kingdom[’s] … share of the top 1% is 24%.“). zitiert aus Wikipedia:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#cite_note-48
  1. Era Dabla-Norris, Kalpana Kochhar, Nujin Suphaphiphat, Frantisek Ricka, Evridiki Tsounta: Causes and Consequences of Income Inequality: A Global Perspective. Hrsg.: International Monetary Fund. Juni 2015. Seite 13, Figure 5. Link
  1. Das BIP in Deutschland ist 3601 Milliarden Euro. (Quelle: Statista). 13% von 3600 Milliarden sind 468,1 Milliarden Euro.
  1. Quelle: https://www.familienunternehmen.de/de/daten-fakten-zahlen (der Wert ist von 2016)
  1. Höhe des Nationaleinkommens laut Statista 2016: 3.212 Milliarden Euro. 1105 / 3212 = 34,4%.
    Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161227/umfrage/entwicklung-des-bruttonationaleinkommens-bne-in-deutschland/
  1. Ein Euro ist 2,33 millimeter dick. Die Suche „2,33 mm * 1100 * 10^9 in kilometer“ ergibt auf Google 2 563 000 kilometer. Der Abstand Mond-Erde ist 384.400 kilometer. Folglich sind es etwas über sechs Erde-Mond Abstände.
  1. Umgekehrt lassen sich die anderen Quellen der Macht wie z.B. Wissen viel schwieriger direkt in die anderen Quellen der Macht konvertieren. Z.B. kann ich aus einer Übermacht im Wissen nicht sofort personelle Ressourcen generieren. Andersherum kann ich aber mit Geld mir sofort einen Experten zur Seite stellen, der mich berät. Daraus ergibt sich eine Sonderstellung von ökonomischer Macht im Vergleich zu anderen Quellen der Macht. Deshalb beginnen wir diese Serie auch mit einer Betrachtung der ökonomischen Macht.
  1. Michael Hartmann spricht in dem Zitat von Cameron und Johnson als politische Elite. Diese allerdings verkehren in den gleichen Zirkeln wie die ökonomische Elite und haben die gleich Lebenssituation, weshalb ich verallgemeinert von Elite in diesem Satz spreche.
  2. Genauer gesagt wird in dem Papier davon ausgegangen, dass ca. 3 Millionen Flüchtlinge innerhalb des Zeitraums von 2015 bis 2025 nach Deutschland einwandern, wovon ein Teil Arbeit am Arbeitsmarkt aufnehmen wird.
  1. Die Vermögens- und damit Machtungleichheit kann den Eliten nicht alleine zugerechnet werden. Dies belegt das folgende Beispiel: Nehmen wir eine Gesellschaft an aus 100 Personen, in der jeder eine Goldmünze besitzt. 99% behalten die Goldmünze oder tauschen sie in Konsumgüter um, ihr Vermögen bleibt also konstant. 1%, also eine Person beginnt ihr Vermögen zu investieren mit einem Zinssatz von 7%. Nach nur 60 Jahren (also ca. 2 Unternehmergenerationen) besitzt diese eine Person 44 Goldmünzen, während die restlichen 99% der Gesellschaft nach wie vor 99 Goldmünzen besitzen. Nach nur 60 Jahren besitzt das obere 1% insgesamt 30% des gesamten Wohlstands dieser Gesellschaft, so wie es in Deutschland zurzeit der Fall ist.
    Man könnte die Vermögensungleichheit in unserer Gesellschaft auch als Spiegelbild des Materialismus in Form kollektiver Gier bezeichnen: Die Gier der einen ist es, jetzt mehr konsumieren zu wollen, die Gier der anderen ist es, später mehr konsumieren zu wollen. Dadurch bilden sich Schuld- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen beiden Gruppen.
    Die eine Gruppe will jetzt mehr konsumieren, da wäre ein Investment in Wohnung oder Unternehmensanteile eher hinderlich. Die anderen wollen später mehr haben, da kommt es gerade gelegen in Mietswohnungen oder Unternehmensanteile zu investieren. Somit sitzen die Einen in den Mietswohnungen und Unternehmen der Anderen und müssen dafür Mietzinsen zahlen bzw. einen Teil ihrer Arbeitsproduktivität als Dividende an die Anderen abführen (sonst würde sich ein Investment ja nicht lohnen). Nachdem sich aber nun die Vermögensungleichheit über Jahrzehnte aufgebaut hat, wird es natürlich dauern, bis diese aufgelöst werden kann.

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